Einschub: Edelsteine #2

„Josef hatte einmal einen Traum und sagte seinen Brüdern davon.“ (1M0 37:5)

Ich zögere, zu sagen „armer Josef“, denn ich habe ja seine ganze Geschichte gelesen. Was ist das für eine wunderbare Geschichte; aber wie viele Missverständnisse und Kränkungen kommen darin vor! Josef hatte die Kraft zum Ertragen all seiner bösen Erfahrungen, so sehr sie ihn auch verwundeten. Offenbar trug er alles mit einer gewisssen Gelassenheit, ähnlich wie Paulus, der von sich selber sagt: „Ich habe gelernt, mich mit dem zu begnügen, was ich vorfinde“ (Phil. 4:11)

Als ich gerade Christ geworden war, hing ich großen Träumen nach. Ich träumte nicht von den Möglichkeiten dieser Welt, wie in früheren Jahren, sondern jetzt, wo ich wiedergeboren war, träumte ich davon, was es wohl für mein Leben bedeuten würde, ein Christ zu sein. Ich träumte von der Möglichkeit, noch einmal zur Schule zu gehen und noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Aber ich war schon dreißig Jahre alt und hatte eine Familie mit vier Kindern. Ich kannte niemanden, der etwas ähnliches unternommen hätte. Ich hatte eine kümmerliche Ausbildung, die nicht einmal recht für das Handwerk ausreichte, das ich gelernt hatte. Wie konnte ich daran denken, dass mein Traum, einmal Prediger zu werden, sich je erfüllen würde? Der Traum hielt an. Immerfort hing ich diesen Traum nach. Und jetzt erlebst du etwas von seiner Erfüllung; denn hier sitze ich an meinem Schreibtisch und verfasse Bibelauslegungen für dich. Damals kam ich nicht einmal mit dem Schreiben eines einfachen Briefes zurecht, wenn meine Frau mir nicht dabei half.

Zuweilen können Träume ein Stück unserer christlichen Erfahrung sein. Josef hatte einen Traum, und seine Brüder, denen er davon sagte, verspotteten ihn. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass so ein Junge wie ihr Bruder, so ein verwöhnter Nachkömmling, einmal eine führende Persönlichkeit werden könnte. Sein Selbstbewusstsein ärgerte sie, und sie dachten nicht daran, ihn für voll zu nehmen. Ich glaube, das Josephs Traum anhielt; sogar als er in Sklaverei geriet, fand er Trost und Gelassenheit. Vielleicht war sein Traum das Einzige, an das er sich während seiner Gefangenschaft halten konnte. Aber mitten in seiner aussichtslosen Lage nutzt Gott Not und Unglück, um einen Gottesmann heranzubilden – einen Mann, auf den er bauen und den er gebrauchen konnte, um einen Traum zu verwirklichen.

Sein Traum war kein Phantasiegebilde, aber er musste zunächst wohl so aussehen. Er rief bei ihm selbst Gelassenheit hervor und eine ganz auf Gott ausgerichtete Haltung. Josef setzte sein ganzen Vertrauen auf Gott, oder noch genauer ausgedrückt: Er vertraute Gott seinen Traum an. Wenn sich sich unsere Träume verwirklichen sollen, dann muss Gott selbst eingreifen mit der Fülle seiner Mittel, um ihnen mitten in unserem Leben Gestalt zu geben. Lebt auch in deinem Herzen ein Traum? Hast du daran gedacht, ihn Gott zu übergeben und ihn zu einem Traum Gottes werden zu lassen? Möchtest du nicht auch die Gewissheit haben, dass dein Traum den besten Händen anvertraut ist und von ihnen verwirklicht werden kann?

Ein Edelstein für heute: „Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht“ (Ps. 37:4)

Tim Ruthven

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