Einschub: Edelsteine #7

Siehe, ich will dich wachsen lassen und mehren und will dich zu einer Menge von Völkern machen und will dies Land zu eigen geben deinen Nachkommen für alle Zeit. (1Mo 48:4)

Der sterbende Jakob möchte Josef und seine Kinder vor seinem Scheiden sehen. Er erinnert sie daran, dass Gott ihm erschien bei Lus im Lande Kanaan und ihm und seinen Nachkommen dies Land zu immerwährendem Besitz versprach. Sein ganzes Leben lang hat er gewartet und gewacht und ausgeschaut nach der Erfüllung dieses göttlichen Versprechens. Seine Nachkommen zählen jetzt ungefähr siebzig Menschen, immer noch kein großes Volk. Und überdies leben sie nicht in Kanaan, sondern in Ägypten. Aber Gott hat Jakob deutlich gezeigt, dass sie nach Ägypten ziehe, n müssten, um dort ein großes Volk zu werden. Dort würden sie wachsen und sich vermehren.

Jacob kann den Auszug des Gottesvolkes aus Ägypten und seine Wanderung nach Kanaan nicht voraussehen. Und doch geht er im festen Glauben an die Verheißung ins Grab. Als die ringsum wohnenden Völker vom Verhungern bedroht waren, hat da nicht Gott einen seiner Söhne, Josef, vor ihnen her nach Ägypten geschickt? Hat Gott ihm nicht das Wohlwollen des Pharao und der Ägypter geschenkt, so dass für sie gesorgt wurde in der Zeit der Hungersnot? Im Vers 15 lesen wir: „Und er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag …“

Jakob verstand, was eine Verheißung Gottes für eine Bedeutung hat. Er wusste, dass sie ihn versorgen, behüten und beschützen konnte auf seinen ganzen Lebensweg. Einst hatte er um den Verlust seines Lieblingssohnes getrauert. Hinterher entdeckte er, dass Gott diese ganze leidvolle Tragödie dazu benutzt hatte, um ihnen lauter Gutes zu tun. Wenn auch seine natürlichen Augen nichts von der Erfüllung der göttlichen Verheißung sehen konnten, so hatte ihn doch ein langes Leben gelehrt, dass diese Verheißung weiterhin galt – es kann sein dass er es sogar in kühnem Glauben für möglich hielt, von Gott aus dem Tode erweckt zu werden, um ihre Erfüllung zu schauen. Ohne das Wissen von der Auferweckungsmacht Gottes ging er in den Tod, weiter rechnend mit rechnend mit Gottes Verheißung und die Auferstehung vom Tod erwartend, um endlich die Verheißung erfüllt zu sehen und die Freude ihrer Erfüllung zu erfahren.

Wenn Gottes Wort in dein Herz eingedrungen ist, das Wort seiner Verheißung, dann mache es zur Grundlage deines Lebens. Halte die Überzeugung fest, dass Gott für sein Wort einsteht.

Ein Edelstein für heute:
„Er gedenkt ewig an seinen Bund“ (Ps 111:5).
„Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet“ (Jes 49:16)

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Einschub: Edelsteine #6

Ihr habt mich nicht hergesandt, sondern Gott. (1Mo 45:8)

Welch schöne Bereitschaft zum Vergeben entfaltet Josef! Gott hat diesen Mann gelehrt zu dienen und ihn dadurch auf seine Führungsaufgaben vorbereitet. Es war Gottes Absicht, Jakobs ganze Familie -dieses Familie der Verheißung – nach Ägypten zu verpflanzen, damit sie dort ebenfalls das Dienen lernen würde. Genauso wie Gott seinen Knecht Josef darauf vorbereitet hat, die Not der erwählten Familie zu beheben und in einer Zeit internationaler Hungersnot, so will er auch die ganze Familie seiner Verheißung darauf vorbereiten, ein großes Gottesvolk zu werden. Gottes Vorberietung auf Größe ist Dienst. ein Dienst an anderen.

„Und Josef sprach zu seinen Brüdern: Tretet doch her zu mir! Und sie traten herzu. Und er sprach: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt!“ (1Mo 45:4). Wenn sie anfangs vielleicht nicht glauben konnten, dass da wirklich Josef vor ihnen stand, so wurden alle Zweifel zerstreut durch die Erwähnung, dass sie ihn nach Ägypten verkauft hatten.

Josef beweist seine Bereitschaft zum Vergeben, indem er seine Brüder davon zu überzeugen sucht, dass er ihnen nicht hätte helfen können und nicht in eine führende Stellung hineingelangt wäre, wenn all diese Dinge nicht geschehen wären: „… denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt, dass er euch übrig lasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung … Gott hat mich dem Pharao zum Vater gesetzt und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über ganz Ägyptenland“ (1Mo 45:5,7-8).

Josef fährt fort, seine Brüder zu ermutigen, dass sie in all diesem Geschehen Gottes Wirken erkennen. Gott hat für sie vorgesorgt. Gottes Plan war es, sie vor dem Verhungern zu erretten. Und nun soll mitten in der großen Hungersnot für ihre Familien gesorgt werden. Und Josef drängt sie, die ganze Familie des göttlichen Verheißungsbundes zu einer großen Karawane zusammenzufassen und nach Ägypten zu bringen, wo Gott für sie sorgen würde.

Zuweilen muss es für Josef sehr schwer gewesen sein. Gottes Wirken in seinen Erlebnissen zu erkennen – man denke nur an das Missverständnis mit Potifar wegen dessen Frau und an die lange Dauer der Gefängniszeit. Zuweilen war dies alles ganz gewiss schwer zu tragen. Aber jetzt in der Rückschau, kann er darin deutlich Gottes Hand und Gottes Absichten erkennen.

Wenn wir doch in den Wechselfällen unseres Lebens mehr auf Gott vertrauen und seine Führung achten würde! Es würde uns natürlich leicht fallen, Gottes Handeln zu verstehen, wenn er uns zu Ministerpräsidenten machen würde. Aber bevor er uns mit Führungsaufgaben betreuen kann, muss er uns durch eine Stellung, in der wir anderen dienen, darauf vorbereiten. Vielleicht mutet er es uns nicht zu, eine Lehrzeit als Gefangene zu bestehen. Aber auf jeden Fall erwartet er, dass wir in einer solchen Lehrzeit seine Hand sehen und anerkennen. Dann werden wir, wie Josef, fähig sein zu sagen: „Ihr habt mich nicht hergesandt, sondern Gott.“

Ein Edelstein für heute: Alles hat der Herr zu bestimmtem Zweck geschaffen, so auch den Gottlosen für den Tag des Unheils.“ (Spr 16:4)

Tim Ruthven

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Einschub: Edelsteine #5

Bild von Stefan Kuhn auf Pixabay

Als aber Jakob sah, dass Getreide in Ägypten zu haben war, sprach er zu seinen Söhnen: Was seht ihr euch lange an? Siehe, ich höre, es sei in Ägypten Getreide zu haben; zieht hinab und kauft Getreide, dass wir leben und nicht sterben. (1Mo 42:1-2)

Jakobs Familie umfasst inzwischen sechzig Menschen. Es mag für Jakob viel leichter gewesen sein, Gottes Verheißungen zu glauben, als für Isaak oder Abraham; denn wir klein waren vergleichsweise deren Familien. Aber sie bilden gemeinsam eine Familie, über der Gottes Verheißung steht: das Versprechen Gottes , sie zu einem großen Volk heranwachsen zu lassen. Sie sind nicht arm. Gotte hatte nicht versäumt, sie reich zu versorgen mit irdischen Gütern. Aber dennoch stehen sie einer großen Not gegenüber. Keiner von ihnen kann aus eigener Kraft dieser Not begegnen und Getreide beschaffen für die ganze Familie, weil eine große Hungersnot im Lande herrscht. Auch für Geld kann man nicht kaufen, was nicht vorhanden ist.

Jakob hört, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gibt. „Was seht ihr euch lange an? … Zieht hinab und kauft Getreide, dass wir leben und nicht sterben.“ Hier sehen wir die wunderbare Fürsorge Gottes, wie er wacht über die Menschen, mit denen er einen Bund geschlossen hatte.

Jakob musste tief verwundet gewesen sein durch die Nachricht, dass wilde Tiere seinen Lieblingssohn getötet hätten. Er wusste nicht, dass sie erlogen war. Seine Söhne, die diesen Betrug verübt hatten, mögen manchmal von argen Gewissensbissen geplagt worden sein wegen des großen Schmerzes, den sie ihrem alten Vater zugefügt hatten – nur weil Josef ihnen seinen Traum erzählt hatte. Er hatte geträumt, dass eines Tages, in einer Zeit schwerer Not, die älteren Brüder sich vor dem jüngeren verneigen und vor ihm zur Erde niederfallen würden. Zunächst verstand keiner von ihnen, was Gott für einen Plan verfolgte – weder Jakob noch seine Söhne. Niemand von ihnen konnte voraussehen, dass eines Tages die Familie in große Not geraten würde und dass Josef von Gott dazu ausersehen war, diese zu beheben.

Gott hatte vorausgesehen, dass die Welt in eine Hungerkatastrophe hineingeraten würde. Jakob und seine Familie konnten das nicht voraussehen, wohl aber Gott. Ihm sei Lob und Dank! Er sorgte vor. Er hatte Josef geschult, hatte ihn vorbereitet zu Führungsaufgaben und hatte ihm die Stellung eines Regenten von Ägypten gegeben, um seinen Plan durchführen zu können, Josefs Familie mit Getreide zu versorgen. So wurde eine Katastrophe abgewendet, die nicht nur diese Familie, sondern weite Völkerbereiche bedrohte. Wie groß ist die Macht unseres Gottes!

Edelstein für heute: „Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft“ (Ps 138:3)

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Einschub: Edelsteine #4

Bild von Stefan Kuhn auf Pixabay

Und der Pharao sprach zu seinen Großen: Wie können wir einen Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesem? (1Mo 41:38)

Als Josef im Gefängnis saß, brachte jeder Tag seiner Haft ihn, ohne dass er es ahnte, näher an den Tag heran, an dem er in den Palast des Königs gerufen wurde. Er hatte im Gefängnis den Mundschenk des Königs zum Freund gewonnen. Dieser hatte ihn versprochen, seinen Fall vor den König zur Sprache zu bringen, vergaß jedoch sein Versprechen. An dem von Gott ausersehenen Tag erhielt Josef den Befehl, zum König zu kommen. Der Mundschenk hatte plötzlich an ihn gedacht; er hatte sich plötzlich daran erinnert, dass Gott Josef die hohe Gabe der Traumdeutung verliehen hatte. Ob in Josef sein Jugendtraum wach wurde, als er sich für den Gang in den Palast wusch und umkleidete? (Wunder über Wunder: aus dem Gefängnis in den Palast!)

Als Josef vom König nach seiner besonderen Begabung gefragt wurde, gab er sofort Gott die Ehre. Er lenkte die Augen des Königs weg von sich selbst und hin zu Gott: „… Gott verkündet dem Pharao, was er vorhat.“ Der Pharao war tief beeindruckt. „Er sprach zu seinem Großen: Wie könnten wir den Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesem?“ Dieser heidnische König achtete in Ehrfurcht auf Gottes Weisungen. Josef schlug vor, in den sieben guten Jahren den fünften Teil des Getreide-Ertrages einzusammeln und für die sieben Hungerjahre aufzubewahren. Dann würde der König die Mittel haben, sein Volk durch eine schwierige Zeit hindurchzuführen. Dies war eine sehr weise Maßnahme der ägyptischen Regierung.

Josef fand Gunst und Gnade bei Gott und Menschen. Anstatt in sein Gefängnis zurückzukehren, wurde er zum obersten Regenten über ganz Ägypten ernannt, zum zweiten Mann nach dem König. Er erhielt den Auftrag, das Volk vorzubereiten für die sieben schweren Jahre, die Gott dem Pharao angekündigt hatte.

Die schweren Jahre kamen, und Josef öffnete die Lagerhäuser und überwachte persönlich die Verteilung des Getreides. Ganz gewiss hatte Josef seinen Jugendtraum und seine Familie nicht vergessen. Vielleicht hatte er sogar zu Gott gebetet um das Kommen der Seinen, besonders als viele Nachbarländer Ägyptens ebenfalls Hunger litten. Auf der einen Seite stand der Traum des Pharao, aber auf der anderen Seite stand Josefs eigener Jugendtraum; und ganz gewiss erkannte Josef immer besser, wie Gottes mächtige Fürsorge seinen Traum zur Verwirklichung bringen könnte. Es fehlte daran nur noch das Kommen seiner Familie nach Ägypten.

Hat Gott dein Leben in seiner Hand, um es nach seinem Wunsch und Willen zu gestalten? Kannst du Gott deine Träume anvertrauen? Kannst du ihm zu der von ihm ausersehenen Zeit und zu seiner Ehre ihre Verwirklichung überlassen?

Edelstein für heute: „Hab deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz „wünscht“ (Ps 37:4)

(Tim Ruthven)

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Einschub: Edelsteine #3

Aber der Herr wurde mit Josef und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis“
(1. Mose 39:21)

Josef hatte etwas getan, was ihm schadete. Er hatte seine Vertrauensstellung in Potifars Haus verloren. Er konnte sich angesichts der Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, nicht rechtfertigen, und dabei blieb er Potifar treu. Er tat nichts, um Potifars Frau zu beschuldigen oder sein eigenes Verhalten zu aufzuklären. Das hätte er nicht tun können, ohne Potifars Haus in ein übles Licht zu bringen. So saß er nun ganz allein in einer engen Gefängniszelle, ins Unglück gestoßen erst von seinen Brüdern, dann von Potifars Frau und dann von Potifar selbst. Kannst du dir eine schlimmere Lage vorstellen? Ich glaube, auch Josef konnte das nicht.

Doch nun sagt uns das Schriftwort: „Aber der Herr war mit Josef …“ Und weil der Herr mit Josef war, verschafft er ihm die Gunst des Gefängnisamtmannes. Was würde in unserem Christenleben geschehen, besonders dann, wenn etwas schief läuft und wenn unsere Lage aussichtlos zu sein scheint, wenn wir uns daran erinnern würden, dass der Herr mit uns ist. „Ist Gott mit uns, wer kann gegen uns sein?“ (Röm 8:31) „Der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist“ (1Joh. 4:4). Anstatt den Versuch zu machen, uns selbst zu rechtfertigen, unsere üble Lage zu schildern und auf erlittene Kränkungen und Verletzungen hinzuweisen, was würde denn wohl geschehen, wenn wir uns ganz still verhalten würden im Gedanken daran, dass der Herr mit uns ist? „Ich bin bei euch alle Tage“ (Matth.l 28:20). Ih meine, dass wir durch ein solches Verhalten, Vertrauen gewinnen würden – ein Vertrauen in Gottes Gegenwart; ein Vetrauen, an dem Gott seine Freude hat. Vertrauen schafft einen offenen Verbindungsweg zu himmlischen Welt, so dass sich Gott mit seiner Gnade zu uns herabneigen kann. Josef vertraute als Gefangener auf Gott, und Gott neigte sich zu ihm herab und verschafft ihn die Gunst des Gefängnsiamtmannes. Dadurch wurde seine schlimme, bedrückende Lage in eine vorbereitende Schulde verwandelt, und ein Jugendtraum konnte Gestalt gewinnen.

Gott kann und will uns in seiner Gnade seine Güte und Freundlichkeit erweisen. Das gilt auch dir. Und darum darfst du Gott in deiner augenblicklichen Lage um seine Güte und Freundlichkeit bitten im Vertrauen darauf, dass er sie dir schenken wird.

Edelstein für heute: „Der Herr ist mit euch, weil ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen.“ (2Chron 15:2).

(Tim Ruthven)

Einschub: Edelsteine #2

„Josef hatte einmal einen Traum und sagte seinen Brüdern davon.“ (1M0 37:5)

Ich zögere, zu sagen „armer Josef“, denn ich habe ja seine ganze Geschichte gelesen. Was ist das für eine wunderbare Geschichte; aber wie viele Missverständnisse und Kränkungen kommen darin vor! Josef hatte die Kraft zum Ertragen all seiner bösen Erfahrungen, so sehr sie ihn auch verwundeten. Offenbar trug er alles mit einer gewisssen Gelassenheit, ähnlich wie Paulus, der von sich selber sagt: „Ich habe gelernt, mich mit dem zu begnügen, was ich vorfinde“ (Phil. 4:11)

Als ich gerade Christ geworden war, hing ich großen Träumen nach. Ich träumte nicht von den Möglichkeiten dieser Welt, wie in früheren Jahren, sondern jetzt, wo ich wiedergeboren war, träumte ich davon, was es wohl für mein Leben bedeuten würde, ein Christ zu sein. Ich träumte von der Möglichkeit, noch einmal zur Schule zu gehen und noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Aber ich war schon dreißig Jahre alt und hatte eine Familie mit vier Kindern. Ich kannte niemanden, der etwas ähnliches unternommen hätte. Ich hatte eine kümmerliche Ausbildung, die nicht einmal recht für das Handwerk ausreichte, das ich gelernt hatte. Wie konnte ich daran denken, dass mein Traum, einmal Prediger zu werden, sich je erfüllen würde? Der Traum hielt an. Immerfort hing ich diesen Traum nach. Und jetzt erlebst du etwas von seiner Erfüllung; denn hier sitze ich an meinem Schreibtisch und verfasse Bibelauslegungen für dich. Damals kam ich nicht einmal mit dem Schreiben eines einfachen Briefes zurecht, wenn meine Frau mir nicht dabei half.

Zuweilen können Träume ein Stück unserer christlichen Erfahrung sein. Josef hatte einen Traum, und seine Brüder, denen er davon sagte, verspotteten ihn. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass so ein Junge wie ihr Bruder, so ein verwöhnter Nachkömmling, einmal eine führende Persönlichkeit werden könnte. Sein Selbstbewusstsein ärgerte sie, und sie dachten nicht daran, ihn für voll zu nehmen. Ich glaube, das Josephs Traum anhielt; sogar als er in Sklaverei geriet, fand er Trost und Gelassenheit. Vielleicht war sein Traum das Einzige, an das er sich während seiner Gefangenschaft halten konnte. Aber mitten in seiner aussichtslosen Lage nutzt Gott Not und Unglück, um einen Gottesmann heranzubilden – einen Mann, auf den er bauen und den er gebrauchen konnte, um einen Traum zu verwirklichen.

Sein Traum war kein Phantasiegebilde, aber er musste zunächst wohl so aussehen. Er rief bei ihm selbst Gelassenheit hervor und eine ganz auf Gott ausgerichtete Haltung. Josef setzte sein ganzen Vertrauen auf Gott, oder noch genauer ausgedrückt: Er vertraute Gott seinen Traum an. Wenn sich sich unsere Träume verwirklichen sollen, dann muss Gott selbst eingreifen mit der Fülle seiner Mittel, um ihnen mitten in unserem Leben Gestalt zu geben. Lebt auch in deinem Herzen ein Traum? Hast du daran gedacht, ihn Gott zu übergeben und ihn zu einem Traum Gottes werden zu lassen? Möchtest du nicht auch die Gewissheit haben, dass dein Traum den besten Händen anvertraut ist und von ihnen verwirklicht werden kann?

Ein Edelstein für heute: „Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht“ (Ps. 37:4)

Tim Ruthven

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Einschub: Edelsteine #1

Esau sprach: Ich habe genug … und Jakob antwortete: … ich habe genug. (1Mo 33:9+11)

Wie selten ist ein zufriedener Christ zu finden! C.H. Spurgeon erzählte von seiner Frau, die eine Fastenzeit mit einer Brotkruste und einem Becher Wasser beendete und dabei ausrief: „Soviel Gutes, und außerdem Christus!“

Jakob befand sich in einer Lage, in der er sich fürchtete. Einst hatte sein Bruder sein Leben bedroht, und jetzt stand ihre erste Begegnung bevor nach mehr als zwanzig Jahren. Um Esau freundlich zu stimmen und ihm einen Beweis des Wohlwollens zu geben, überschüttete Jakob ihn mit Geschenken. Jeder von ihn beiden war zu Reichtum gekommen. Jeder war gesegnet worden während dieser langen Trennungszeit. Aber der eigentliche Segen, der an ihnen zu erkennen war, bestand nicht an ihren Besitztümern, sondern an ihrer offensichtlichen Zufriedenheit mitten in ihrem Wohlergehen. Das ist wahrhaftige eine seltene Sache. Beide erklärten, Segen empfangen zu haben. Beide wünschten , dem anderen eine Freundlichkeit zu erweisen; aber das Wichtigste war doch, dass sie wussten: „Ich habe genug.“

Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir -ähnlich wie diese beiden – aufhören würde mit Wünschen, wenn wir uns begnügen würden mit unserem Lebensstandard, wenn wir zufrieden wären und zu unserem Bruder sagen könnten: „Ich habe genug“ (und das würde bedeuten: ich bin der Lage, freigiebig zu sein)? Wie würde unser Leben aussehen, wenn Gott nicht nur alle unsere Bedürfnisse befriedigen, sondern wenn er uns dazu gebrauchen könnte, mit Hilfe der uns geschenkten Fülle ein Segen für andere zu sein, so dass auch sie einen Segen von Gott empfangen könnten?

Könnte Gott dir wohl mehr anvertrauen, als du nötig hast? Würdest du darin deine volle Zufriedenheit finden, so dass du es nicht für nötig halten würdest, von dem dir geschenkten Segen Gottes einen großen Teil zurückzuhalten für schlechte Zeiten? Würdest du wohl den geschenkten Segen als eine Hilfsquelle Gottes ansehen können, um andere damit zu segnen? Zufriedenheit mitten in äußerem Wohlergehen scheint auch bei Christen eine seltene Tugend zu sein. Zufriedenheit bedeutet: frei sein von dem Verlangen nach etwas Verlockendem, nur weil irgendjemand anderes es hat.

Wie wäre es, wenn wir uns zum Ziel setzen würden, nicht möglichst viel zu erwerben, sondern möglichst viel verschenken zu können? Würde es nicht wunderbar sein, wenn wir – wie Jakob und Esau – zufrieden wären mit Gottes Fürsorge und wir, wie sie, bezeugen würden: wir haben genug? Wenn wir alle dies bezeugen würden, wenn keiner von uns mehr danach streben würde, Reichtümer für sich selbst aufzuhäufen, dann würde es schwierig für uns werden, Empfänger für Geschenke zu finden, weil wir umgeben wären von zufriedenen Christen. Nicht mehr das Erwerben wäre schwierig für uns, sondern das Verschenken, weil alle genug haben würden.

Edelstein für heute: „Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer reichen Segen sät, der wird auch reichen Segen ernten“ (2. Kor. 9:6)

(Tim Ruthen)